Partnerschaft verbessern

Wie Du die Partnerschaft mit Pferden tiefgreifend verbessern kannst

Die natürliche Pferd-Mensch Beziehung oder Natural Horsemanship ist sehr alt, und doch wiederum neu, weil so viel Natürliches in Vergessenheit geraten ist. Die Menschen unserer Zeit haben sich oft so weit vom Verständnis der Schöpfung entfernt, dass ein ursprünglich natürlicher, gesunder Umgang mit Pferden vielfach verloren gegangen ist. Doch immer mehr Menschen möchten diesen Zugang wieder neu entdecken. Parelli kann dabei unterstützen und inspiriert weltweit unzählige Pferdefreunde auf diesem Weg.

Eine Fliege bleibt nicht unbemerkt

Eine Fliege bleibt nicht unbemerkt

Hast du schon einmal beobachtet, welche Wirkung eine unscheinbare Fliege erzielt, die auf dem Fell eines Pferdes landet? Warum brauchen denn wir Menschen oft mehr Druck, um ein Pferd zu etwas zu bewegen?

Bei Parelli haben wir eine Redewendung, wenn wir ein „Problem“ mit einem Pferd haben, oder ein Resultat mit ihm nicht erreichen:

“Es liegt nicht am ….…”

Es liegt nicht am Hänger, am Sprung, dem Scheuen, den anderen Pferden, den Zuschauern, am Wind, dem Gebiss, dem Hufschmied, am Pferd selbst ….. – es liegt an der Partnerschaft! Die Partnerschaft zwischen einem Leader: dir und einem, der dir folgt: deinem Pferd.

Wenn ein Pferd dir und deinen Entscheidungen voll vertraut und dich respektiert, wird es ruhig und willig auf deine Aufforderungen antworten. Es wird sich weder widersetzen, noch ängstlich sein und sich für dich und das was du möchtest interessie­ren. Es wird zu deinem wirklichen Partner.

Vielleicht hast du gerade kein Anliegen mit einem Pferd, für das du eine Lösung sucht. Aber wie oft sehen wir doch, dass zu unfairen, mechanischen oder sogar chemischen Mitteln gegriffen wird, um Pferde gefügig zu machen, wenn etwas nicht klappt. Sogar wenn dies zu funktionieren scheint –  meistens nur kurzfristig  – wie sehen wir wohl in den Augen des Pferdes aus?

Um die Partnerschaft mit einem Pferd tiefgreifend zu verbessern sind drei Dinge nötig.

1. Verstehe das „innere“ Pferd.

Wie „tickt“ es wirklich? Was ist seine Persönlich­keit, oder wie wir es auch nennen „Horsenality“? Ist es extrovertiert oder introvertiert, eher ängstlich oder eher dominant? Wenn wir seinen inneren Charakter besser kennen, werden wir immer besser verstehen, warum es sich manchmal widersetzt anstatt kooperativ zu sein und uns zu vertrauen.

meine geliebte "La Donna", starke Tendenz zu "rechte HH introvertiert"

meine geliebte „La Donna“, starke Tendenz zu „rechte HH introvertiert“

Ist dein Pferd extrovertiert hat es wahrscheinlich viel Energie und Bewegungsdrang… Es fällt ihm schwer stillzustehen… ist ungeduldig, nervös, oder einfach verspielt.

Wenn es introvertiert ist bewegt es seine Füße eher weniger oder ist oft sogar träge. Wir denken es ist faul, verstehen nicht, warum es sich plötzlich nicht mehr vom Fleck rühren will und stecken es in die Schublade „stur“.

Hier ist der interessante Punkt… die meisten Menschen halten extrovertierte Pferde zurück und treiben introvertierte an oder ziehen an ihnen herum.

Das ist meistens genau das Gegenteil, von dem was wir tun sollten!

Verhält sich ein Pferd eher ängstlich, nennen wir das auch „rechte Gehirnhälfte“ oder der Instinktseite. Es ist unsicher, angespannt, nervös und zögert bei neuen Dingen oder will sich nicht vom Stall oder der Herde entfernen. Es scheint manchmal nur langsam zu lernen.

La Donna lernt extrovertierter und  selbstbewusster zu sein.

La Donna lernt extrovertierter und
selbstbewusster zu sein.

Verhält sich ein Pferd selbstbewusst oder dominant, nennen wir das auch „ linke Gehirnhälfte“. Es weiß, dass es sich vor dir nicht zu fürchten braucht und „diskutiert“ auch über die Frage, wer hier wen bewegt.

Wenn wir dies kombinieren, sprechen wir hier somit von vier Grundtypen von Pferdepersönlichkeiten oder „Horsenalities“:

  • Linke Hirnhälfte Extrovertiert
  • Rechte Hirnhälfte Extrovertiert
  • Linke Hirnhälfte Introvertiert
  • Rechte Hirnhälfte Introvertiert

Viele Pferde zeigen je nach Situation die eine oder andere Seite und manchmal auch eine Mischung davon. Wichtig ist, dass wir ein Pferd situativ genau dort abholen können, wo es gerade ist. Jede Pferdepersönlichkeit sollten wir ihrem Bedürfnis entsprechend unterschiedlich angehen. Andernfalls könnten wir ohne es zu merken unerwünschte Verhaltensweisen hervorrufen, genau gleich, wie wenn wir von jemandem unangemessen behandelt werden.

Aufbau emotionaler Versammlung im Galopp - La Donna 2008

Aufbau emotionaler Versammlung im Galopp – La Donna 2008

Das Persönlichkeitsprofil von Pferden besser zu verstehen gibt dir eine völlig neue Perspektive und du kannst lernen, sie besser zu lesen; die Partnerschaft und somit auch Resultate mit ihnen enorm zu verbessern, weil du immer besser verstehen wirst, wann du einem Pferd mehr Zeit lassen, wann du progressiver, wann du konstanter werden solltest.

2. Werde emotional fitter

Das Faszinierende an Pferden ist, dass sie jede Emotion in uns wecken können, nebst guten auch schlechte: Ärger, Angst, Frustration, Gefühle des Versagens… Es tauchen Gedanken auf wie… Du dummes Pferd… So ein sturer Bock, der ist ein Durch­­gänger usw. Vielleicht ist es dir persönlich noch nie so gegangen, aber mir und Tausenden von Pferdebesitzern auf der ganzen Welt schon, und alles oft nur wegen großen Missverständ­nissen.

Pferde sprechen weder Deutsch, Englisch noch Französisch – sie haben ihre eigene manchmal subtile doch sehr klare Sprache, egal ob Sport- oder Freizeitpferd, egal ob Vollblut oder Kaltblut. Sie sind Fluchttiere, die überlebt haben, weil sie wissen, wie man Raubtieren davonkommt. Wir jedoch sind die erfolgreichsten und gefährlichsten Raubtiere auf Erden, und kommen leider oft auch mit fragwürdigen Mitteln zum Ziel. Doch wie sehen wir dann in den Augen der Pferde aus und, wenn wir ehrlich sind, auch in unseren eigenen?

Wenn Pferde Probleme mit uns haben, ist es meistens, weil sie verwirrt sind, nicht verstehen was wir möchten, Angst vor unserer Energie oder unserem Blick haben oder vor der Art und Weise, wie wir auf sie zugehen. Andere Pferde wiederum, die ausgeprägt mit der linken Hirnhälfte denken, wissen genau, welche Strategien sie anwenden können, um uns emotional zu machen. Viele von uns haben gelernt zu glauben, diese Pferde seien in diesem Fall ungehorsam oder „dumm“ und müssten bestraft oder kontrolliert werden. Weil Pferde von Moment zu Moment leben, verstehen sie Strafe jedoch nicht. Es macht die Situation auf Dauer oft nur schlimmer oder die Pferde resignieren einfach und stumpfen ab.

Pferde machen keinen Unterschied zwischen einer ängstlichen und einer ärgerlichen Person. Der energetische Effekt wirkt bedrohlich und sie beginnen sich zu widersetzen oder zu entziehen. Wenn das nicht möglich ist, wehren einige von ihnen sich auch heftiger und kämpfen sogar.

Wer hat das nicht auch schon erlebt! Wenn wir also das nächste Mal frustriert, ärgerlich oder ängstlich werden, lasst uns etwas anderes ausprobieren:

Stopp, Rückzug und sagen wir doch zu uns selbst:  Hmm… WIE INTERESSANT! Wieso bewirke ich diese Situation?

Werde emotional fitter!

Werde emotional fitter!

Diese Strategie wird uns helfen, emotional fitter zu werden, weil es uns zwingt, über die Situation nachzudenken anstatt einfach zu reagieren.

Je emotionaler wir mit Pferden sind, desto mehr verschlechtert sich die Beziehung. Wir sollten jedoch, anstatt ungeduldig oder ärgerlich zu werden, ihr Führer bzw. Leader sein; ruhig, überlegt, wissend und verständnisvoll, klar, freundlich, bestimmt. So können wir dem Pferd helfen, die richtige Lösung zu finden, oder wenn angebracht eine faire Bestimmtheit an den Tag legen, wenn ein Pferd zum Beispiel unseren persönlichen Raum nicht respektiert.

Wir schauen es so an: Negative Emotionen sind ein Zeichen dafür, dass uns die Antworten fehlen. Man braucht mehr Wissen.

Kannst du dir vorstellen, nie mehr einen „schlechten Pferdetag“ zu erleben, sondern dass – dadurch dass dein Verständnis und eure Partnerschaft sich enorm entwickelt – wenn „Probleme“ auftauchen, diese  Frustrationen zur Faszination werden, weil du lösungsorientiert bist, anstatt das Pferd verurteilst?

3. Lerne die Sprache der Pferde

Lerne die Sprache der Pferde

Lerne die Sprache der Pferde

Wie sagst du einem Pferd, es soll sich beruhigen? Wie erklärst du ihm, dass du ihm nichts tun wirst? Wie sagst du ihm, es soll flüssig vorwärts gehen, ohne dass du es ständig treiben musst? Wie überzeugst  du es davon, stillzuhalten, wenn du es tierärztlich behandelt werden muss? Wie bringst du es dazu, dir die Füße zu geben anstatt dass du das ganze Gewicht halten musst? Wie sagst du ihm, dass etwas richtig war?

Durch die Beobachtung von Pferden, ihrer Körpersprache und wie sie sich untereinander verhalten, können wir erkennen, wie sie klar und deutlich untereinander kommunizieren und damit Freundschaft und Leadership herstellen. Die grundlegenden „Spiele“ lassen sich in den folgenden Kategorien zusammenfassen:

  1. Freundschaft—miteinander grasen, entspannen, dösen, gegenseitige Fellpflege
  2. Physischer Kontakt bezüglich der Rangordnung—beißen—schlagen—drücken (Aufforderung zu weichen auf physischen Druck)
  3. Drohen ohne Kontakt—treiben, in die Luft schlagen oder beißen (Aufforderung zu weichen auf mentalen Druck)

Im ersten dieser „Spiele“ geht es um Freundschaft, Vertrauen und Entspannung. In den anderen um die Rangordnung oder „Leadership“—die auch immer wieder in Frage gestellt werden kann.

Wenn du diese Sprache kennst und anwenden kannst, sind die Resultate spektakulär. Pferde werden anders antworten  –  besser, mit weniger Skepsis, Desinteresse und Angst. Das Beste daran ist, dass du alles kommunizieren kannst, vom Stillstehen und Entspannen, über selbständiges Einsteigen in den Hänger, Füße leicht geben, gut vorwärts zu gehen ohne impulsiv zu sein,  bis zu vielen weiteren Dingen und höheren Manövern, je nach deinen Zielen und dem Talent deines Pferdes.

Wenn du diese Spiele mit deinem Pferd lernst und zu euer beider Vorteil nutzen kannst, wird etwas Außergewöhnliches geschehen. Dein Pferd wird dir mehr Beachtung schenken und dich besser verstehen. Dies ist der Beginn einer wirklichen Konversation, und du kannst Frustrationen, Kicken und Ziehen „Pfüeti“ sagen. Die Sieben Spiele, kombiniert mit dem Wissen über „Horsenality“,  sind die Grundlage für alle Möglichkeiten und Disziplinen, die du dir mit Pferden vorstellen kannst. Sie erlauben dir, eine immer feinere und anspruchsvollere Sprache zu entwickeln.

Wenn dir Pferde am Herzen liegen,  entdecke diese natürliche Kommunikation und lerne dein Pferd wirklich kennen.

Eure Beziehung und die Resultate, welche ihr gemeinsam erreicht, werden sich dramatisch verbessern. Mit Garantie!