Pferde sind sehr klug und lernfähig, und sie können auf jeden Fall Verantwortung übernehmen – wenn auch du deine trägst!

 

Wenn du deinem Pferd keine Verantwortungen überträgst, und ihm alles „vorkaust“, endet das in Micro-Managing, und nimmt deinem Pferd die Fähigkeit zu denken und sich wie ein Partner zu verhalten. Wenn du deine eigenen Verantwortungen nicht wahrnimmst, wird dein Pferd dich nicht respektieren.

Wenn du die 8 Verantwortungen jedoch anwendest, dann werdet ihr beide Aufgaben haben, für die ihr zuständig seid und eure Partnerschaft wird wachsen. Dazu müssen sich beide Seiten nicht wie Raubtiere oder Fluchttiere, sondern partnerschaftlich verhalten.

 

Die 4 Verantwortungen des Menschen

 

1. Verhalte dich nicht wie ein Raubtier sondern wie ein Partner. Werde mental, emotional und physisch fit.

Es beginnt zuerst bei uns Menschen! Ein Leader ist entspannt und souverän, reagiert weder mit Ärger noch mit Angst oder Frustration, sondern versucht Teil der Lösung anstatt Teil des Problems zu sein und stellt sein Ego ganz weit hinten an.

 

2. Erlangen einen unabhängigen Sitz

Wir Menschen brauchen einen unabhängigen, neutralen Sitz – gilt schon am Boden mit Haltung und Handling – damit wir mit Balance, Gefühl und Timing reiten und effektiv unserer Körpersprache kommunizieren können.

 

3. Denke wie ein Pferd bevor du denkst wie ein Mensch

Es liegt auch an uns, die Dinge aus der Sicht des Pferdes zu betrachten, nämlich seine Psychologie zu verstehen.  Pferde denken ganz anders als Menschen, sie sind laterale Denker und werden von ihren Instinkten geleitet. Pferde können nicht wie Menschen denken, aber wir können lernen, mehr wie sie zu denken. Du bist dafür zuständig zu verstehen, wie dein Pferd tickt und ein Problem so zu lösen, dass es für dein Pferd Sinn macht, anstatt es zu zwingen, einzuschüchtern oder unangebracht unter Druck zu setzen. Hier kommt auch das Thema Horsenality ganz groß ins Spiel.

 

4. Nutze die Kraft des Fokus

Du bist die oder der führt, die mit dem Plan, der mit dem Fokus. Where to be, why to be and what to do when you get there….sagt Pat Parelli dazu.  Du brauchst ein Plan A, einen Plan B, sogar einen Plan C, für den Moment, für diese Session und auch für zukünftige Sessions. Du bist für die Zielsetzung verantwortlich und für die Beharrlichkeit, eure Ziele zu erreichen oder die Flexibilität, eure nächsten Schritte zu adaptieren.

 

 

Die 4 Verantwortungen des Pferdes

 

1. Verhalte dich nicht wie ein Fluchttier sondern wie ein Partner. Werde mental, emotional und physisch fit.

Wenn du dich wie ein Partner und nicht wie ein Raubtier verhältst, fällt dies deinem Pferd schon viel leichter! Kannst du durch eine natürliche Kommunikation bewirken, dass dein ruhig, auf dich fokussiert ist und positive Antworten gibt?

 

2. Behalte die Gangart bei

Dein Pferd soll lernen, die Gangart und später das Tempo beizubehalten. Es sollte nicht nötig sein, dies ständig regulieren zu müssen. Weder Flucht noch Trägheit! Kennst du Pferde, die du ständig „zügeln“ und Pferde, die du ständig „treiben“ müsstest?

 

3. Behalte die Richtung bei

Dein Pferd sollte auch die Richtung beibehalten, bis du entscheidest, diese zu ändern. Beispielsweise sollte dein Pferd wenn du in der Halle reitest den Trab beibehalten, ohne davonzurennen, anzuhalten, in der Ecke stecken zu bleiben oder umzudrehen.

 

4. Schau wohin du trittst

Als letztes aber nicht unwichtigstes sollte dein Pferd schauen, wohin es tritt. Glaub mir, diese Verantwortung verbessert sogar die Impulsion eines LBI! Dein Pferd sollte fähig sein, sich durch die Ecke zu manövrieren und seine Füße über Hindernisse zu sortieren.

 

Die 8 Verantwortungen sind ein großartiges Prinzip,  mit dem du dich selber und dein Pferd zur Verantwortung ziehen kannst. Natürlich kommt es auf deine Vorbereitung und die Kapazität des Pferdes drauf an. Wir wollen lehren, nicht betteln oder pushen. Eine wirklich gute Partnerschaft strebt 51 % (Leadership) and 49 % (Follower) an! Nutze die 8Verantwortungen, um noch mehr ein Team zu werden!

 

Wie sieht das nun in der Praxis aus? Wie kannst du deine Seven Games im Sattel oder am Boden nutzen und eure Fähigkeiten in den 8 Verantwortungen testen?

 

Für den Menschen:

 

Partner/Leader: du bist ruhig, selbstbewusst und ein guter Leader. Du hörst auf dem Pferd und führst es, ohne ärgerlich, frustriert oder ungeduldig zu werden.

Unabhängiger Sitz: du kennst deinen Balance Point und kannst mit neutralen Händen und Beinen reiten (oder am Boden neutral sein), außer du musst dein Pferd korrigieren.

Denke wie ein Pferd: denke lateral. Du weißt, dass ein Pferd durch Pausen und Druck wegnehmen motiviert ist. Du kannst neutral sein (Friendly Game), wenn dein Pferd das richtige tut, und Porcupine oder Driving Games verwenden, um dein Pferd zu beeinflussen. Wenn dein Pferd eine Aufgabe mit nur wenig Korrekturen umsetzen konnte, erlaubst du deinem Pferd anzuhalten, sich zu entspannen und nachzudenken.

Fokus: du hast einen vorausschauenden visuellen und mentalen Fokus und führst dein Pferd so durch die Aufgabe. Du weißt genau, welche Gangart oder Tempo und welche Richtung du möchtest. Du hast ein spezifisches Ziel und du weißt auch, wenn dieses erreicht ist. Du hast einen Plan, verfolgst einen Zweck und weißt wann du belohnen solltest (Timing).

 

Für das Pferd:

 

Partner: dein Pferd folgt deinem Vorschlag. Es hat keine Angst, macht sich keine Sorgen, ist nicht angespannt oder impulsiv. Es benutzt die linke Gehirnhälfte und sucht deine Führung.

Behalte die Gangart bei: dein Pferd nimmt die gefragte Gangart auf. Wenn es in der Gangart ist, wird es weder schneller noch langsamer (Gangart oder Tempo). Es hat einen guten Rhythmus.

Behalte die Richtung bei: dein Pferd behält die vorgegebene Richtung bei. Es versucht nicht abzuwenden oder seinen Körper kontraproduktiv zu biegen. (Zum Beispiel aus dem Kreis schauen oder auf die Schulter fallen) .

Schau wohin du trittst: deinem Pferd ist bewusst, auf welchem Pattern/Linie es ist. Es weiß wo der Zaun ist, koordiniert seine Füße und manövriert Hindernisse.

 

Wenn ihr euch erfolgreich zurechtfindet, gib deinem Pferd an einem sinnvollen Ort eine Pause (Markierung). Schlecken und kauen für beide.

 

Tipps und Troubleshooting

 

wäre dein Pferd ein Auto, wie würdest du seine Bremsen, sein Gaspedal, seine Steuerung oder seine Geradheit, wenn du das Steuer loslässt, beurteilen? Die meisten von uns sind sich gewohnt, ein Auto zu fahren, das geradeaus fährt, gut beschleunigt und stoppt und Servolenkung hat – zumindest glauben wir das…

Ein professioneller Rennfahrer käme vielleicht zu einem etwas anderen Schluss. Er weiß, wie ein „feingetuntes“ Auto sich anfühlen sollte – nahezu perfekt. Jede Imbalance könnte für ihn auf eine lebensbedrohliche Situation hinauslaufen. Für ihn wäre alles offensichtlich, aber für uns manchmal nicht, weil wir noch nicht immer diesen Grad an Feinheit erfahren haben.

Das gleiche gilt für einen erfahrenen Horseman. Er spürt sofort, wenn ein Pferd aus der Balance ist, weil er weiß, wie ein Pferd sich an fühlen kann und anfühlen soll. Er ist sensibilisiert darauf, wie ein Pferd auf seine kleinen Fragen antwortet. Er kennt auch die Probleme, die entstehen können, wenn ein Pferd mental, emotional und physisch nicht in Balance ist und wie das gesamte Training davon beeinflusst wird.

Beginne immer mit Verantwortung Nr. 1! Gib deinem Pferd Komfort und Pause, sobald dies erreicht ist. Alles andere geht leichter, wenn du die erste umsetzen kannst. So kannst du dein Pferd auch früher belohnen und es kann dein Ziel leichter verstehen. Belohne die kleinsten Versuche, sei nicht kritisch oder zögerlich sondern positiv, progressiv und natürlich!

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