Setze die Beziehung an erste Stelle

ein Beitrag von Leonie Gebert, die mich 2019 ein halbes Jahr als Working Student begleitet hat.

Was bedeutet dieses Grundprinzip von Pat Parelli eigentlich im Training und Alltag?

Natürlich ist es wichtig, dass man im Leben gewisse Aufgaben, Herausforderungen und Ziele hat. Wie erfolgreich wir diese angehen und meistern können, hängt größtenteils davon ab, wie fit wir mental, emotional und physisch sind.

Denken wir nun über die emotionale Fitness nach und wovon ein großer Teil davon abhängt. Richtig, von unseren Beziehungen, dem Austausch mit anderen Menschen und Tieren.

Wenn wir in unserem Umfeld tragfähige Verbindungen zu anderen Menschen haben, die auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basieren, werden wir selbstbewusster und auch viel mehr bereit dazu, für unser Gegenüber eine Aufgabe zu erfüllen oder an einem Ziel zu arbeiten.

Beziehung hat Priorität gegenüber der Aufgabe

Bist du auch schon einmal mit deinem Pferd vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe gestanden? Also ich schon, beispielsweise mit dem Hänger. Ich konnte mein Pferd zwar leicht in den Hänger senden, aber warum hat Charis Mühe, im Hänger entspannt stehen bleiben, wenn ich von hinten die Stange einhängen möchte? Eigentlich geht es gar nicht um den Hänger, sondern vielmehr um die Frage, warum mein Pferd so reagiert. Hat es zu wenig Selbstvertrauen oder vertraut es mir zu wenig in meinen Führungsqualitäten? Je mehr wir in solchen Situationen das Pferd drängen, desto überzeugter wird es davon sein, dass es uns nicht vertrauen kann und seine Zuversicht uns gegenüber schwindet. Andererseits kann es auch sein, dass du dich als Leader auf freundliche, überzeugende und beharrliche Art und Weise bewähren musst, je nachdem an welchem Punkt eure Beziehung ist.

Eine Beziehung ist immer dynamisch und kostet Zeit und unsere stetige Bereitschaft, Vertrauen und Respekt aufzubauen oder zu bewahren, und es hat mich schon erschreckt, wie leicht und schnell dies droht wieder verloren zu gehen.  Nur mit einer intakten Beziehung kann man gemeinsam viel erreichen.  Je besser die Beziehung, d.h. je größer die Übereinstimmung, Verbindung, Vertrauen und Zuversicht zwischen Mensch und Tier ist, desto erfolgreicher und einfacher sind Aufgaben zu lösen und Ziele nachhaltig zu erreichen.

Aber wie können wir unseren Pferd beweisen, dass uns die Beziehung wichtiger als das Resultat ist? Mir hilft hier das Wissen über die Bedürfnisse des Pferdes, und dass es meine Aufgabe als Leader ist, diese zu erfüllen, wenn ich das Teamwork mit meinem Pferd verbessern möchte.

Hier ist die Formel: Sicherheit – Komfort – Spiel – Motiv

Nimm dir die Zeit die es braucht – damit es weniger Zeit braucht

Fühlt sich dein Pferd sicher, weiß es wo der Komfort ist, ist es euch beiden auch heute bewusst, wer der Leader ist und verstehst du deinem Pferd einen Beweggrund und einen Sinn in seinen Aufgaben zu vermitteln? Je nachdem, vor welcher Frage du stehst, ist es wichtig sich, darauf zu fokussieren, bevor du eine Aufgabe stellt.

Ich rufe mir in solchen Situationen gerne das Zitat „Take the time it takes, so it takes less time“ in Erinnerung.  Erst wenn wir „connected“ sind und mein Pferd sich sicher und entspannt fühlt, wird es mental und emotional in der Lage sein, sich auf mich zu fok ussieren, mir zuzuhören und mit mir zu spielen. Wenn wir unserem Pferd die Zeit geben, mental und emotional bereit zu sein, wird es sich auch physisch viel besser bewegen können.

Also, lasst uns die Beziehung an erste Stelle setzen und dazu Pferdepsychologie anwenden, indem wir unseren Pferden zeigen, dass wir auch kleine Unsicherheiten bemerken und uns wie ein guter Leader verhalten.  So wird der gemeinsame Weg immer harmonischer. Das schöne am Parelli Programm ist auch, dass ich es in meinem Alltag ebenso anwenden kann, und ich auch dort die Beziehung zu meinen Mitmenschen an erste Stelle setze. Ich persönlich habe damit die besten Erfahrungen gemacht.